Aquarell-Gewächshaus in organischen Formen — symbolisiert Zielkultur als Orientierung in Organisationen

Zielkultur

Teil 2 von 3 — Kulturtrilogie

Das Festlegen von Organisationszielen ist weit verbreitet. Klare Organisationsziele steigern die Motivation und verbessern die Ergebnisse — unabhängig davon, wie groß die Organisation ist. Im folgenden Artikel spüren wir dem Sinn und der Bedeutung von Zielen nach, damit wir die Produktivität und den Nutzen für Organisationen stärken können.

1. Welche Bedeutung haben Ziele?

Als reflektierende Menschen ist die Sehnsucht in uns verankert, für unser Leben einen Sinn zu deuten. Diese Sehnsucht können wir als eine gerichtete Bewegung verstehen auf der Suche nach unserer subjektiven Zweckwahrheit. Diese Zwecke sollen unserem Leben in der Zukunft eine Antwort geben, die uns eine wertvolle Wirkung in der Wirklichkeit ermöglicht.

Diese Suche erzeugt jedoch für jeden Menschen eine Komplexität, weil sie viele Fragen aufwirft, die nur der Einzelne für sich beantworten und entscheiden kann. Luhmann schließt, dass unser rationales Denken (=Rationalität) das Problem dieser Suche erzeugt, aber auch gleichzeitig hilft, diese Komplexität zu reduzieren.

Luhmann erkennt, dass unsere Rationalität uns lehrt, von begrenzten Ressourcen auszugehen und Ziele als Mittel zum Zweck zu definieren, um gewünschte künftige Zustände festzulegen. Diese Festlegung von Zielen und begrenzten Ressourcen dient einer Organisation und ihren Menschen als Zwecksetzung. So definieren strategische Ziele schlicht den Fokus der Organisation — um auf alle anderen Möglichkeiten zu verzichten.

People think focus means saying yes to the thing you've got to focus on. But that's not what it means at all. It means saying no to the hundred other good ideas that there are. You have to pick carefully. I'm actually as proud of the things we haven't done as the things I have done. Innovation is saying no to 1,000 things.
— Steve Jobs

Im Artikel zur Kulturbiosphäre haben wir die Analogie des Gewächshauses gewählt. Bleiben wir dieser Analogie treu, dann entspricht das Gewächshaus der Organisation, welches sich in den Strukturen erweitert — in seiner Größe und Statik — damit es mehr Pflanzen versorgen kann zur Erfüllung des Zwecks.

Ziele unterstützen zeitliche und inhaltliche Komplexitätsreduktion, weil zukünftige Zwecke in mittelfristige Zwecke reduziert werden. Ebenso mittelfristige in kurzfristige Zwecke. Ebenso können abstrakt inhaltliche Zustände in ihrer Komplexität reduziert werden, indem sie als Ziele konkretisiert werden.

2. In welche Elemente lassen sich Ziele strukturieren?

Im Folgenden schauen wir uns die Kernelemente an, die Ziele definieren können. Sie sind zu verstehen wie eine Pyramide mit verschiedenen Ebenen, wobei die untere Ebene zur nächsthöheren Ebene immer eine gewisse Ableitung darstellt. Deshalb ist es auch eine Hierarchie der Ebenen — in diesem Fall der möglichen abgeleiteten Subziele. Auf oberster Ebene stehen Vision und Mission, die den langfristigen Sinn und die Ausrichtung der Organisation beschreiben. Darunter folgen Strategie und taktische Ziele, die den Weg und die konkreten Maßnahmen definieren. Auf operativer Ebene schließlich finden sich Initiativen und Aufgaben, die täglich umgesetzt werden.

3. Wie lassen sich persönliche Ziele definieren?

Da jegliche Veränderung bei uns selbst beginnt — egal ob Führungskraft oder Mitarbeiter — macht es Sinn, auch mit eigenen Zielen zu beginnen. Welche Schritte helfen dir dabei, deine persönlichen Ziele zu definieren?

1. Finde deine Energieräuber: Identifiziere, was dir Energie raubt und was du nicht mehr haben möchtest. Es fällt uns leichter, uns an Probleme und stressige Situationen zu erinnern. Aus diesem Grund macht es Sinn, zunächst über Dinge nachzudenken, die du nicht mehr haben möchtest. Nimm ein Blatt Papier und schreibe an den äußeren Rändern die Dinge auf, von denen du dich verabschieden willst:

  1. Was hat dich unter Stress gesetzt?
  2. Was möchtest du nicht mehr tun?
  3. Was sollte verbessert werden — schöner, einfacher, entspannter?

Achtung: Wenn du Energieräuber entdeckst und denkst "Alles darf passieren außer das", dann könnten diese eine deiner persönlichen negativen Grundaussagen offenbaren. Versuche nicht, Vermeidungsziele zu reduzieren oder zu meiden, und konzentriere dich stattdessen auf positive Ziele, die tatsächlich erreicht werden können.

2. Visualisiere eine ideale Zukunftsvorstellung: Ein Ziel beschreibt einen positiv formulierten Zustand in der Zukunft. Indem du ihn bildhaft vorstellst, gewinnt er an Kraft. Stell dir eine Welt nach deinen Wünschen vor — wie würdest du sie gestalten? Achte darauf, dass die Ziele positiv formuliert sind, mindestens einen Nutzen und Zweck für dich beinhalten, und keine negativen Begriffe enthalten.

3. Setze dir umsetzbare und messbare Teilziele: Die Ziele auf dem Papier sind vermutlich zu groß, um direkt erreicht zu werden. Formuliere daher Zwischenziele, die erreichbar sind, und feiere deine Erfolge bei ihrer Umsetzung. Wenn du dies nicht tust, besteht die Gefahr, dass mit der Zeit deine Motivation nachlässt. Stelle sicher, dass diese Ziele messbar sind — nur so kannst du objektiv beurteilen, ob du sie erreicht hast.

4. Visualisiere deine Vision und Mission: Bisher hast du je nach Zeithorizont taktische oder strategische Ziele formuliert. Nun versuche, daraus eine Vision und/oder Mission zu entwickeln. Wenn du auf deine Ziele schaust, welchen Traum kannst du dadurch erkennen? Welches Gefühl stellt sich in dieser Zukunft ein?

5. Beginne mit der Umsetzung: Michael Hyatt schlägt die 3×3-Methode vor: Du nimmst dir für die nächsten 3 Monate maximal 3 Ziele vor (kleine strategische Ziele), die du erreichen möchtest. Für diese drei Ziele setzt du dir wöchentlich maximal 3 Etappenziele (kleine taktische Ziele). Und jeden Tag setzt du dir maximal drei Aufgaben (kleine Initiativen), die du umsetzen kannst. Dafür gelten ein paar Prinzipien:

  • Priorisierung: Priorisiere deinen Tag auf die wichtigsten 3 Themen und vermeide dadurch lange Listen von Aktivitäten.
  • Fokus: Fokussiere dich auf Qualität statt Quantität. Welche Dinge lassen sich verbessern? Mache nicht mehrere Dinge schlecht — konzentriere dich auf die Stärkung der Stärken. Eliminiere Ablenkungen.
  • Disziplin: Nutze die Vorteile der 3×3-Regel und wende sie konsequent an. Messe dabei deinen Fortschritt und feiere deine Erfolge.
  • Ruhe: Nutze das Wochenende zur Erholung und setze dir dort keine Ziele.

Fazit

Wir haben gelernt, dass Ziele ein Konzept sind, um Komplexität zu reduzieren. Ebenso geben Ziele unserem Leben eine Richtung und einen Sinn. Wenn wir Ziele richtig setzen, dann sichern wir uns Motivation und die Sicherung unserer Bedürfnisse. So geben uns Ziele ein Maß an Orientierung und Perspektive, weil sie uns etwas vor Augen führen, das erreichbar ist.

So sind Ziele Mittel zur Erreichung unserer Zwecke, die uns helfen, unser Können, unser Gefühl von Verantwortung (Autonomie) und unseren Sinn zu entwickeln.

Klar, oder?

Herzlichst,
Matthias

Quellen

  1. V. E. Frankl, Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn, 1985, ISBN: 9783492202893
  2. H. G. Ruß, Wissenschaftstheorie, Erkenntnistheorie und die Suche nach Wahrheit, 2004, ISBN: 978-3-17-018190-8
  3. Scheibe, S., Freund, A. M., & Baltes, P. B. (2007). Toward a developmental psychology of Sehnsucht (life longings): The optimal (utopian) life. Developmental Psychology, 43, 778–795.
  4. N. Luhmann, Zweckbegriff und Systemrationalität: Über die Funktion von Zwecken in sozialen Systemen, 1973, ISBN: 978-3518276129
  5. A Guide to the Project Management Body of Knowledge (PMBOK Guide), 2017, ISBN: 978-1628251845
  6. K. Schubert, M. Klein, Das Politiklexikon, 2020, ISBN: 978-3-8389-0174-9
  7. #DNO, OKR Methode, digitaleneuordnung.de
  8. A. Bierbrauer et al., The memory of a stressful episode, 2021, Current Biology, DOI: 10.1016/j.cub.2021.09.044
  9. M. Hyatt, The 3×3 Goal Achievement Strategy
  10. Steve Jobs, Here's what most people get wrong about focus, CNBC