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Circlead · Technical Whitepaper

Eine Organisation — modelliert, im Dialog, im Wissen.

Circlead ist eine Plattform für rollenbasierte Organisationsentwicklung. Sie bildet ab, was in den meisten Organisationen implizit bleibt — Rollen, Kompetenzen, Verantwortlichkeiten — und bindet KI-Agenten als organisationsbewusste Kolleg:innen ein, die nach den Regeln der Organisation arbeiten.

Inzwischen ist daraus ein Verbund aus drei Systemen geworden, jedes mit einer klar abgegrenzten Aufgabe. Gemeinsam ergeben sie den Bogen von der modellierten Organisation über die Zusammenarbeit mit Agenten bis zum Wissen, aus dem beide schöpfen. Kein Teil übernimmt die Arbeit eines anderen mit — das ist die Bedingung dafür, dass sich einzelne Stücke austauschen lassen, ohne das Ganze anzufassen.

SystemRolle im VerbundCharakter
Circlead Das Modell — Organisation, Rollen, Prozesse, Kompetenzen, Kennzahlen Web-Plattform (Spring Boot), mehrmandantenfähig
Nuncio Der Dialog — die Route zum Sprachmodell, providerunabhängig Schmaler Dienst, ohne Abhängigkeit außer dem JDK
Tessera Das Wissen — Graph als Wahrheit, alles andere ist Projektion Integrationsschicht (Graph, RAG, Konnektoren)
Circlead

Die Organisation als lebendes System.

Strukturen · Kompetenzen · Digitalisierung · Metriken — vier Dimensionen, ein Modell.

Strukturen — Organisationen in voller Tiefe

  • Circles — autonome Teams, klassifiziert nach Team Topologies (Stream-Aligned, Platform, Enabling, Complicated Subsystem).
  • Actors — Menschen, KI-Agenten und Services als gleichberechtigte Akteure.
  • Rollen & Rollengruppen — Verantwortlichkeiten und Hierarchien.
  • Aktivitäten — Arbeitseinheiten mit RASCI-Zuordnung.
  • Circle-Interaktionen — Zusammenarbeitsmuster und Abhängigkeiten zwischen Teams.

Strategie & Governance

  • Domains & Bounded Contexts — DDD-Strukturgerüst der Organisation.
  • Capabilities mit Wardley-Reifegrad: Genesis → Custom → Product → Commodity.
  • Strategische Ziele & Outcomes — Zielhierarchie von Vision über Strategie bis Operations.
  • Governance-Regeln mit Durchsetzungsmechanismen — nicht als Wiki-Richtlinie.
  • Decision Log — Architektur- und Organisationsentscheidungen als nachvollziehbare Historie.

Enterprise Layers (LEAD-Framework)

Circlead bildet alle Ebenen einer Organisation ab — Business · Information · Technology — und verknüpft sie durchgängig: Value Streams und Customer Journeys verbinden sich mit Capabilities, Bounded Contexts und technischer Infrastruktur. Die C4-Modellierung (System Context, Container, Component, Dynamic, Deployment) bildet die technische Umsetzung von Dev über Staging bis Production ab.

Kompetenzen — H.E.A.R.®-Framework

Vier Dimensionen organisationaler Haltung, je fünf Indikatoren — insgesamt 20 Indikatoren:

DimensionFokusBeispiel-Indikatoren
HumanityMenschlichkeit im ArbeitskontextPsychologische Sicherheit, Inklusion, Rollenklarheit
EmpathyEinfühlungsvermögen, PerspektivwechselZuhörqualität, Bewusste Präsenz, Retrospektive Haltung
AuthenticityEchtheit, WertekongruenzEmotionale Präsenz, Konsistenz-Check, Werteklarheit
Resilience & ResultsWiderstandskraft, ErgebnisorientierungKompetenzentwicklung, Strategische Ausrichtung, Mastery

IDG-Integration. Die H.E.A.R.-Indikatoren sind mit den 25 IDG-Fähigkeiten verknüpft — über die fünf Dimensionen Being · Thinking · Relating · Collaborating · Acting. Zwei Perspektiven auf dieselbe Wirklichkeit: Haltung und Fähigkeit wachsen miteinander.

Entwicklungspfade — und der KI-Karrierepfad

Rollendifferenzierte Entwicklungspfade (Führungskräfte, Ambassadors, Mitarbeitende) beschreiben, welcher nächste Schritt für wen ansteht. Neu hinzugekommen ist ein KI-Karrierepfad von L0 bis L5: eine Leiter, die beschreibt, wie souverän eine Person mit KI im eigenen Arbeitskontext umgeht — von „nutzt sie nicht“ bis „gestaltet Agenten-Arbeitssysteme für andere mit“. Die Stufen sind an die Entwicklungspfade der Personen gekoppelt, nicht an ihre Position.

Metriken — echte Outcomes statt Eigenwahrnehmung

  • Survey-Kampagnen mit tokenbasierter, anonymer Teilnahme.
  • Gap-Check zwischen Selbst- und Fremdbild (Führung vs. Team).
  • Zeitreihen-Tracking über Assessment-Perioden (monatlich, quartalsweise, jährlich).
  • Automatisierte KI-Insights auf Basis der Ergebnisse.

Steuerungscockpit — Kennzahlen mit Herkunft

Kennzahlen tragen ein Indikatorprofil, das ihre Herkunft offenlegt: manuell gepflegt, berechnet aus anderen Werten oder live aus einer angebundenen Quelle. Panels sind an Prozesse verankert — eine Kennzahl steht nicht für sich, sondern an der Stelle, an der sie entsteht. Damit lässt sich unterscheiden, was gemessen ist und was geschätzt.

Risiken, ROI und Wachstum

  • Risikomatrix mit Verknüpfung zu Capabilities und strategischen Zielen — ein Risiko hängt an dem, was es gefährdet.
  • ROI-Modell für digitale Assets (Applikationen) mit Schwellwert-Validierung und ROI-Portfoliosicht je Domäne.
  • Hierarchische strategische Ziele mit Integritätsregeln — kein Ziel ohne übergeordnete Absicht.
  • Scale-Up-Modell nach Verne Harnish: Prinzipien, Blocker und Metriken des Wachstums, exportierbar als Growth Canvas mit Validierung der Skalierungsreife.
  • Applikationslandschaft mit Vendor, Owner und Traceability zur Organisation.

Das Modell als Datei — versioniert und lesbar

Jede Änderung am Organisationsmodell wird deterministisch als Datei herausgeschrieben: kanonische Serialisierung, SHA-256-Prüfsumme, atomares Schreiben mit Hash-Gate und Entprellung. Umgekehrt lädt die Plattform Modelle beim Start aus einem Ordner. Das Modell lebt damit in der Datenbank und im Repository — nachvollziehbar in Git, diffbar, wiederherstellbar.

Circlead

Prozesse, Wertströme und Systemlandschaft.

Vom Organigramm zur Arbeit, die tatsächlich fließt.

Eine Organisation zu beschreiben, ohne ihre Arbeit zu beschreiben, bleibt Fassade. Deshalb ist der Prozessteil der größte Zuwachs der letzten Monate: von der Prozesslandkarte über ausführbare BPMN-Modelle bis zur Simulation.

Prozesslandkarte & Traceability

  • Prozessgruppen und Prozesslandkarte mit vertikaler und horizontaler Nachverfolgbarkeit.
  • Nachfolger-Kopplung zwischen Prozessen — sichtbar als Pfeile auf der Landkarte, geprüft durch Klarheits- und Kontinuitätsregeln.
  • Lebenszyklus-Status je Prozess, verpflichtender Prozess-Owner und sprechbare Referenzcodes für Prozesse und Aktivitäten.
  • Priorisierung und Sichtbarkeits-Heatmap — welche Prozesse tragen viel und sind trotzdem kaum beschrieben?
  • Capability-Querverweise — jeder Prozess zahlt auf Fähigkeiten ein.

SIPOC & Geschäftsobjekte

Jeder Prozess wird über SIPOC (Supplier, Input, Process, Output, Customer) vervollständigt. Ein Validierungs-Gate blockiert Prozesse, deren Ein- und Ausgaben nicht auf Geschäftsobjekte und Deliverables zeigen. Die „Staffelstab“-Governance macht sichtbar, wo ein Ergebnis übergeben wird — und wo es liegen bleibt.

BPMN 2.0 — Modellieren, exportieren, prüfen

  • Sequenzfluss-Graph als Datenmodell, editierbar direkt im Prozessformular.
  • BPMN-2.0-Export inklusive Download-Endpunkt und eingebettetem bpmn-js-Viewer auf der Prozessseite.
  • Subprozesse als Call Activities — der Export rekursiert den kompletten Teilbaum, nicht nur eine Ebene.
  • RACI-Swimlanes je Rolle, Risiken und Aktivitätszustände direkt in der Sicht.

Simulation & Durchlaufzeiten

Prozesse sind nicht nur dokumentiert, sondern simulierbar. Eine Token-Walk-Engine läuft den Sequenzfluss ab, berücksichtigt Verzweigungen und arbeitet gegen definierbare Szenarien (Normalfall, Ausnahme, Lastspitze). Ergänzt wird das durch gemessene Durchlaufzeiten auf Prozess- und Aktivitätsebene — erfassbar über die Oberfläche oder direkt durch einen Agenten via MCP — und eine Konsistenzregel, die Widersprüche zwischen Teil- und Gesamtzeiten meldet.

Vom Workshop ins Modell

Ein Workshop-Transkript lässt sich als Prozesserweiterung in das aktive Modell übernehmen. Für den Raum selbst gibt es die Ausgabeformate: Prozess-Poster als zusammenhängendes Querformat-Banner, A4-Handouts, druckfertige PDF-Exporte der Prozessdetails und eine sprechbare Landschaftsansicht für die Moderation.

Systemlandschaft & Feld-Mapping

Geschäftsobjekte existieren selten nur an einem Ort. Circlead modelliert deshalb Integrationssysteme (z. B. ERP, Shop, Warenwirtschaft) und pflegt eine Mapping-Matrix pro Feld und pro System: Welches Feld eines Geschäftsobjekts heißt in welchem System wie — und welches System führt es. Systeme und Mappings sind über die Oberfläche, über Import/Export und über ein eigenes MCP-Werkzeug pflegbar. Damit wird die Frage „Wo steht der wahre Wert?“ beantwortbar, bevor eine Integration gebaut wird.

Circlead Nuncio

Der Dialog — mit Menschen, dem Modell, den Agenten.

Der Auftrag bleibt im Haus. Hinaus geht nur die Frage an das Modell.

Durch Künstliche Intelligenz werden ausführbare Tätigkeiten zur Massenware. Was bisher im Flurgespräch weitergegeben und auf Whiteboards skizziert wurde, muss jetzt lesbar werden — denn ein Agent folgt nur dem, was er vorfindet. Ohne klaren organisationalen Kontext findet eine unverantwortliche Verantwortungsverschiebung statt.

Der Dialog ist deshalb kein eigenes Produkt neben der Plattform, sondern ihre innere Schleife. Wer einen Agenten beauftragt, beauftragt ihn in Circlead: dort liegt der Auftrag, dort läuft er, dort wird er sichtbar und dort bleibt seine Entscheidung dokumentiert. Nach außen geht genau ein Schritt — die Frage an ein Sprachmodell. Dafür steht ein einzelner, schmaler Dienst bereit: Nuncio.

Agent-Lebenszyklus (7 Schritte)

  1. RegistrierungAI_AGENT Actor mit Circle-Zugehörigkeit.
  2. Skill-Projektion — Kontextgenerierung mit konfigurierbaren Include-Flags.
  3. Agent-Modi — Betriebskonfigurationen (Review, Implement) mit Constraints.
  4. Capabilities — deklarierte Fähigkeiten (MCP_TOOL, A2A_TASK, INTERNAL).
  5. Ausführung — Cron-basierte Ticket-Abarbeitung mit Budget-Kontrolle.
  6. Delegation — an fremde Agenten über das A2A-Protokoll (JSON-RPC 2.0) mit Agent Card Discovery.
  7. Genehmigung — für eingeschränkte Autonomiestufen (RESTRICTED).

Autonomiestufen

StufeVerhalten
AUTONOMOUSAgent handelt selbstständig innerhalb der Skill-Projektion.
SUPERVISEDAgent handelt, Ergebnisse werden überprüft.
RESTRICTEDJede Aktion erfordert menschliche Genehmigung.

Wo der Auftrag lebt

Ein Agentenauftrag ist kein Zuruf, sondern ein Vorgang mit Zustand. Anlegen, Nachfragen, Abbrechen und Mitlesen passieren in der Plattform selbst — es gibt keine zweite Stelle, bei der man nachsehen müsste, was gerade geschieht.

ZustandBedeutung
PENDINGAngenommen, noch nicht begonnen.
RUNNINGIn Arbeit, Zwischenstände laufen als Ereignisstrom in die Oberfläche.
WAITING_INPUTDer Agent braucht eine menschliche Entscheidung und wartet — er rät nicht.
COMPLETEDAbgeschlossen, Ergebnis am Vorgang.
FAILED / CANCELLEDGescheitert oder abgebrochen — beides bleibt im Protokoll stehen.

Budget als Grenze, nicht als Bericht. Kosten-Obergrenzen hängen hierarchisch an Circles und Agenten und laufen in definierten Zyklen zurück. Ist eine Grenze erreicht, bricht der Vorgang ab, statt weiterzulaufen und hinterher teuer gewesen zu sein. Fällt die Modellroute aus, sagt die Oberfläche das offen: ein Schutzschalter trennt den Aufruf, ein Gesundheitsindikator meldet den Zustand, die Plattform bleibt lesbar — sie hängt nicht in einem Aufruf fest, der nie zurückkommt.

Werkzeuge im selben Prozess

Die Oberfläche trägt einen agentischen Chat mit echtem Tool-Calling: Das Sprachmodell ruft die 48 MCP-Werkzeuge der Plattform auf, liest und ändert das Modell in der Schleife und kennt den Kontext der gerade geöffneten Seite. Die Werkzeugschleife läuft dabei im selben Prozess — es gibt keine Rückruf-Adresse, unter der ein fremder Dienst wieder in die Anwendung hineingreift. Was ein Agent tun darf, entscheidet die Plattform an der Stelle, an der sie es ohnehin prüfen muss.

Nuncio — die Modellroute

Übersetzen und weiterreichen, mehr nicht. Wer orchestriert, besitzt Oberfläche und Audit-Trail — und das ist die Plattform, nicht der Weg zum Modell.

Nuncio ist ein bewusst kleiner Dienst: Java 21, dreizehn Klassen, keine Abhängigkeit außer dem JDK. Nach außen spricht er das Anthropic-Messages-Format, nach oben OpenAI-kompatible Backends oder Anthropic im Durchreichen. Alles, was eine Basis-URL konfigurieren kann, kann darauf zeigen.

Geroutet wird nach Modellnamen, die erste passende Regel gewinnt. Damit lässt sich trennen, was getrennt gehört:

AnfrageZielWarum
Kleine Hilfsschrittelokales Modell (Ollama)Ein agentischer Lauf besteht zum größten Teil aus Routine — dafür ein gehostetes Modell zu bezahlen, ist keine Sparsamkeitsfrage, sondern eine Konstruktionsfrage.
Die eigentliche Arbeitgehostetes ModellWo Qualität entscheidet, entscheidet sie sichtbar an einer Stelle.
Alles übrigeStandardrouteEine Auffangregel, damit kein Aufruf ins Leere läuft.

Mischbetrieb ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. Der Schlüssel steht nie in der Konfiguration, sondern wird über eine benannte Umgebungsvariable aufgelöst; für ein lokales Modell entfällt er ganz.

Der schwierige Teil ist nicht der Text, sondern die Werkzeuge. Die beiden großen Formate führen Werkzeugaufrufe unterschiedlich — einmal als Blöcke innerhalb einer Nachricht, einmal als eigenes Feld mit separaten Antwortnachrichten. Beim Streaming kommt hinzu, dass Argumente in Fragmenten eintreffen, die mitten im JSON brechen dürfen. Nuncio reicht Text sofort durch und puffert Werkzeugaufrufe, bis sie vollständig sind. Genau daran entscheidet sich, ob so ein Weg im Alltag trägt oder nur im Hallo-Welt-Fall funktioniert.

Anonymisierung vor dem Modell

Optional durchläuft jeder Text, der an ein Sprachmodell geht, eine vorgeschaltete Anonymisierung — als Zwischenschicht direkt vor der Modellroute, mit gepflegten Begriffslisten und konfigurierbaren Ausnahmen für Bezeichnungen, die erhalten bleiben müssen. Personenbezug lässt sich damit entfernen, bevor er das Haus verlässt, ohne den fachlichen Gehalt zu verlieren. Wer die Anonymisierung abschaltet, tut das sichtbar in der Administration und nicht durch eine vergessene Konfigurationszeile.

Mensch in der Schleife

Ein Agent, der nicht weiterweiß oder nicht entscheiden darf, hält an. Der Vorgang geht in den Zustand WAITING_INPUT und stellt einen Entscheidungspunkt mit Kontext und benannten Optionen. Der zuständige Mensch entscheidet dort, wo er ohnehin arbeitet — in Circlead, an der Rolle, die dafür zuständig ist. Offene Anfragen laufen als Ereignisstrom in die Oberfläche, sie müssen nicht abgeholt werden.

Die getroffene Entscheidung wandert anschließend nicht in ein Chatprotokoll, sondern in das Entscheidungsregister der Organisation — zusammen mit den Optionen, die zur Wahl standen. Ein halbes Jahr später ist damit nicht nur nachlesbar, was entschieden wurde, sondern auch, wogegen.

Workflow-Engine

Mensch–KI-Zusammenarbeit als orchestrierter Prozess mit den Schritttypen AGENT_TASK, HUMAN_DECISION, EXTERNAL_AGENT, CONDITION sowie FORK und JOIN für parallele Zweige — plus Live-Timeline mit Status pro Schritt und Budget-Kontrolle pro Circle mit Reset-Zyklen. Ein Prozess aus der Prozesslandkarte lässt sich unmittelbar als solcher Ablauf ausführen: dasselbe Modell, einmal beschrieben, einmal in Betrieb.

Nachvollziehbarkeit

Jeder Lauf schreibt Audit-Ereignisse, die in das hash-verkettete Protokoll des Wissensgraphen gedrückt werden — nicht in eine Logdatei neben der Anwendung. Zu einem einzelnen Ereignis lässt sich nachträglich ein kryptografischer Beleg anfordern, der es an die Kette bindet; über Instanzgrenzen hinweg funktioniert das ebenso. Nachträgliche Änderungen fallen damit auf, statt nur unwahrscheinlich zu sein.

Tessera · Wissen

Das Wissen — gefiltert durch Prinzipien und Regeln.

Skill-Projektionen — die Organisation als Vorwissen für den Agenten.

Das gesamte organisationale Regelwerk wird für KI-Agenten als strukturierter Kontext exportiert. Skill-Projektionen werden dynamisch generiert, versioniert (Content-Hash) und unterstützen mehrere Formate — Markdown, JSON, GSD-kompatibel.

Was projiziert wird

  • Governance-Regeln — organisationale Regeln und Durchsetzungsmechanismen.
  • Konventionen — Coding Standards, Naming Conventions, Prozessvereinbarungen.
  • Technische Designentscheidungen — Architekturentscheidungen mit Begründung.
  • Schnittstellenverträge — API-Spezifikationen, Integrationsmuster.
  • Code-Dokumentation — kontextuelles Wissen auf Code-Ebene.
  • Rollenbeschreibungen — Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten.
  • Bounded Contexts — Domänengrenzen und Ubiquitous Language.
  • Team-Topologien — Interaktionsmuster und Abhängigkeiten.

Tessera — der Graph ist die Wahrheit

Ein REST-Endpunkt ist eine Projektion des Graphen. Eine SQL-Sicht ist eine Projektion. Ein Kafka-Topic ist eine Projektion. Ein MCP-Werkzeug ist eine Projektion. Anwendungen konsumieren Projektionen — die Quelle ist der Graph.

Tessera ist die Integrationsschicht zwischen heterogenen Systemen. Statt Punkt-zu-Punkt-Kopplung gibt es einen typisierten Wissensgraphen als gemeinsame Mitte. Jede Änderung ist ein Ereignis; das Ereignisprotokoll erlaubt Zeitreisen („Wie sah die Organisation am 1. März aus?“), Lückenlosigkeit im Audit und die Erkennung widersprüchlicher Quellen.

Projektionen — ein Modell, viele Oberflächen

Wird im Schema ein neuer Typ angelegt, entstehen daraus zur Laufzeit — ohne Codegenerierung und ohne Neustart — sofort mehrere Zugänge:

ProtokollErzeugte OberflächeWofür
RESTCRUD-Endpunkte je Typ, mit OpenAPIAnwendungen, Integrationen
MCPWerkzeuge je Typ (abfragen, anlegen, ändern)KI-Agenten
SQL-SichtTabellensicht je TypBI- und Reporting-Werkzeuge
KafkaTopic je Typ, gespeist aus dem EreignisprotokollNachgelagerte Systeme
WebSocket / SSEKanal je TypLive-Oberflächen
GraphQLTyp mit allen EigenschaftenFlexible Abfragen

Schema Designer — das Modell sichtbar bearbeiten

  • Visuelle Schema-Leinwand mit Suche, Nachbarschaftsfokus und Domänengruppierung.
  • Tabellarische Pflege über eine größenveränderliche Schublade, mit Inline-Bearbeitung einzelner Felder.
  • Berechnete Felder per Formel (z. B. brutto = netto * 1.19) — gespeichert im Schema, ausgewertet bei der Abfrage.
  • Graph-Ansicht mit Entitätstabelle, mehreren Layout-Modi und einmaliger, nicht dauerhaft rechnender Anordnung.

Wissen aus Dokumenten — RAG und Vektorsuche

Neben strukturierten Daten nimmt Tessera unstrukturiertes Wissen auf: ein Obsidian-Vault, ein Drive- oder Dropbox-Ordner, ein Dateiablage-Verzeichnis. Dateien werden erkannt, extrahiert, zerlegt und indiziert.

  • Formate: Markdown, Text, CSV direkt — PDF, Word, Excel, PowerPoint, RTF, HTML über Apache Tika.
  • OCR für Bilder und gescannte PDFs über das System-Tesseract; digitale PDFs behalten den schnellen Textpfad, nur Seiten ohne Textebene werden gerendert und erkannt.
  • Dokument-RAG und generische Vektordatenbank — mit den Werkzeugen rag_search und vector_search für Agenten.
  • Vektorloses RAG als Alternative: Volltext-Stichwortsuche plus Navigation im Abschnittsbaum eines Dokuments. Das läuft ohne Embedding-Modell — wichtig für Umgebungen ohne externe API.
  • LLM-gestützte Entitätsextraktion über die Textabschnitte, mit voller Herkunft im Graphen: welcher Konnektor, welches Dokument, welcher Abschnitt.

Konnektoren — Daten hereinholen

TypQuelle
unstructured-textDokumentenordner (Obsidian-Vault, Drive-/Dropbox-Sync)
rest-pollBeliebige REST-API
jdbc-pollExterne relationale Datenbank
kafka-ingestKafka-Topic
github-importGitHub-Repositories
ea-referenceEnterprise Architect

Alle Quellen laufen durch dieselbe Kette: Konnektor → Regelwerk (Prioritäten entscheiden, wenn Quellen sich widersprechen) → Graph-Schreibvorgang mit Herkunft → Ereignisprotokoll. Fehlgeschlagenes landet in einer Fehlerwarteschlange statt still verloren zu gehen. Eine Quellen-Autoritätsmatrix legt pro Feld fest, welches System führt — nicht pro Entität, sondern pro Eigenschaft.

Domänenpakete — Wissen ausliefern

Ein fachliches Modell — Schema, Regeln, Beispieldaten — lässt sich als signiertes Paket bündeln, prüfen und in eine andere Installation einspielen. Eine lokale Registry löst Abhängigkeiten zwischen Paketen auf, installiert stapelweise mit Rücknahme im Fehlerfall und erlaubt Auflisten und Deinstallieren. Das funktioniert vollständig offline — ohne Paketserver im Internet.

Sicherheit & Datenschutz

Mandantentrennung

  • Tenant-Isolation auf Datenbankebene via Hibernate-Filter.
  • TenantContext pro Request (ThreadLocal).
  • Globale Entitäten (H.E.A.R.-Indikatoren, Survey-Perioden) explizit ausgenommen.

Rollenbasierte Zugriffskontrolle (6 Rollen · 26 Berechtigungen)

RolleBerechtigungen
VIEWERLesezugriff auf zugewiesene Circles
EDITORErstellen/Ändern innerhalb zugewiesener Circles
SURVEY_MANAGERSurvey-Verwaltung und Kampagnen
MODEL_ADMINVolle Modell-Administration
TENANT_ADMINMandanten-Administration
PLATFORM_ADMINVollzugriff auf alle Funktionen

Need-to-Know: VIEWER und EDITOR sehen nur Circles, denen sie angehören.

Datenschutz bei Surveys

  • Anonymisierte Teilnahme via UUID-Mapping.
  • Tokenbasierte Einladungen ohne Account-Pflicht.
  • Öffentlicher Form-Endpoint ohne Authentifizierung für Respondenten.
  • Aggregierte Ergebnisse — Einzelantworten nicht auf Personen rückführbar.

Technische Sicherheit

  • Dual Security Filter Chain — JWT (API, stateless) + Session (Web, CSRF-geschützt).
  • Verschlüsselungsservice für sensible Felder.
  • OWASP HTML Sanitizer für Benutzereingaben.
  • Audit-Trail über AuditEntry-Entität.

Schutzbedarf & abgestufte Rechte

Entitäten tragen einen Schutzbedarf; die Rechtevergabe ist entsprechend abgestuft, statt nur zwischen „darf lesen“ und „darf alles“ zu unterscheiden. Wer welche Information sehen darf, hängt damit nicht mehr allein an der Rolle, sondern auch an der Sensibilität des Gegenstands.

Auf Graph-Ebene (Tessera)

  • Mandantenkennung an jedem Knoten, jeder Kante und jedem Ereignis; Abfragen sind immer gefiltert.
  • Eine einzige Ausführungsstelle für Graph-Abfragen — Architekturtests verbieten Abfragen daran vorbei.
  • Feldbezogene Verschlüsselung mit mandantenspezifischen Schlüsseln und Blind-Indizes, Schlüssel in HashiCorp Vault statt in Konfigurationsdateien.
  • Signierte Schreibvorgänge: jede ändernde Anfrage trägt einen kryptografischen Umschlag.
  • Hash-verkettetes Ereignisprotokoll für regulierte Umgebungen.
Tessera Nuncio

Souveräner Betrieb — auch ohne Internet.

Eine Maschine, ein Skript — und kein Rechenzentrum in Übersee.

Wer mit Organisationsdaten und Personenbezug arbeitet, kann nicht immer davon ausgehen, dass eine Cloud zur Verfügung steht — oder erlaubt ist. Deshalb ist der gesamte Verbund so gebaut, dass er in einer abgeschotteten Umgebung vollständig funktioniert.

Installation auf einer Maschine

  • Selbstentpackender Installer — ein Archiv, ein Aufruf, inklusive Dienstdefinitionen für den Systemstart.
  • Trockenlauf vor der Installation: Was würde passieren, was fehlt?
  • Gesundheitsprüfung als eigener Befehl — nicht nur beim Start, sondern jederzeit.

Air-Gap — erzwungene Abschottung

Im abgeschotteten Profil wird ausgehender Netzverkehr nicht nur unterlassen, sondern aktiv blockiert: Ein Egress-Guard fängt Verbindungsversuche ab, ein Gesundheitsindikator meldet, ob die Abschottung tatsächlich greift. Sprachmodelle laufen lokal, Vektorsuche wahlweise ohne Embedding-Dienst über die Volltextvariante.

Eigene Zertifikate, eigene Zeit

  • Interne Zertifizierungsstelle über Vault PKI, wechselseitig authentifizierte Verbindungen zwischen den Diensten, TLS bis in die Datenbank.
  • Zertifikatserneuerung als Befehl — kein manuelles Hantieren mit Dateien.
  • Zeitstempel-Anker nach RFC 3161 aus einem lokalen Zeitstempeldienst: Nachweise, wann ein Zustand bestand, ohne einen externen Anbieter zu fragen — mit eigenem Prüfbefehl.

Sicherung und Wiederherstellung

Vollsicherung als eigener Befehl, mit Manifest und Ed25519-Signatur. Die Wiederherstellung prüft die Signatur, bevor sie etwas anfasst, und kann als Trockenlauf gefahren werden. Zeitgesteuerte Sicherungen mit Aufbewahrungsfristen laufen im Hintergrund; ein dokumentierter Ernstfall-Durchlauf gehört zur Auslieferung.

Integrierte Frameworks

Circlead baut auf etablierten Frameworks auf:

FrameworkRolle in Circlead
CircleadRollenbasiertes Organisationsdesign, Circles als autonome Teams
H.E.A.R.®Organisationaler Gesundheitscheck (4 Dimensionen × 5 Indikatoren)
Team TopologiesCircle-Klassifikation (Stream-Aligned, Platform, Enabling, Complicated Subsystem)
Wardley MappingFähigkeitsevolution: Genesis → Custom → Product → Commodity
Domain-Driven DesignDomains, Bounded Contexts, Ubiquitous Language
Inner Development Goals25 Fähigkeiten über Being, Thinking, Relating, Collaborating, Acting
RASCIVerantwortungszuordnung bei Aktivitäten
C4 ModelArchitekturvisualisierung (System, Container, Component, Dynamic, Deployment)
CynefinKomplexitätsklassifikation von Bounded Contexts
BPMN 2.0Prozessmodellierung, Export mit Swimlanes und Subprozessen, Simulation
SIPOCProzessgrenzen über Supplier, Input, Output, Customer — mit Validierungs-Gate
Scale-Up (Verne Harnish)Wachstumsprinzipien, Blocker und Metriken, Growth Canvas mit Reifeprüfung

Zahlen & Fakten

48
MCP-Tools Circlead
Agent-Werkzeugfläche
143
Domänen-Entitäten
DDD-strukturiert
117
Domain-Services
Fachliche Bausteine
127
Schema-Migrationen
Versionierte Datenbasis
27
MCP-Tools Tessera
Graph, RAG, Föderation
6
Projektionsarten
REST, GraphQL, MCP, SQL, Kafka, SSE
6
Konnektor-Typen
Ordner, REST, JDBC, Kafka, GitHub, EA
13
Klassen Modellroute
Nuncio — ohne Fremdabhängigkeit
12
Frameworks
Integriert
26
RBAC-Berechtigungen
6 hierarchische Rollen
20
H.E.A.R.®-Indikatoren
Kompetenzmodell
5.600+
Automatisierte Tests
Über alle drei Systeme

Einsatzszenarien

Organisationsentwicklung

Wer trägt welche Rolle, welche Kompetenzen fehlen, wie sieht der Entwicklungspfad aus? Für Führungskräfte, Ambassadors und Teams.

Strategische Planung

Value Streams und Customer Journeys mit technischen Capabilities verknüpfen. Wardley Mapping zeigt, welche Fähigkeiten strategisch differenzieren und welche commoditisiert werden können.

KI-Integration mit Haltung

KI-Agenten, die die Regeln der Organisation kennen, bevor sie handeln. Skill-Projektionen geben Agenten den organisationalen Kontext — Rollen, Grenzen, Konventionen — automatisch mit.

Prozessarbeit & Workshops

Prozesse gemeinsam im Raum aufnehmen, als Poster und Handout ausgeben, anschließend als BPMN modellieren, simulieren und mit Durchlaufzeiten hinterlegen. Das Transkript des Workshops fließt direkt als Prozesserweiterung ins Modell zurück — die Arbeit im Raum landet nicht in einem Foto, sondern in der Struktur.

Systemlandschaft & Integrationsvorbereitung

Bevor eine Schnittstelle gebaut wird, ist geklärt, welches Geschäftsobjekt in welchem System wie heißt und welches System führt. Die Mapping-Matrix pro Feld ersetzt die Excel-Liste, die sonst nach drei Monaten niemand mehr pflegt.

Wissen zugänglich machen

Ein gewachsener Dokumentenbestand — Vault, Laufwerk, gescannte Altakten — wird eingelesen, per OCR erschlossen und durchsuchbar. Agenten fragen über ein Werkzeug statt über fünf APIs. Wo kein Embedding-Dienst erlaubt ist, greift die vektorlose Variante.

Compliance & Governance

Governance-Regeln leben in der Plattform und werden dort auch durchgesetzt. Audit-Trail, Mandantentrennung und anonymisierte Surveys sichern die Datenschutzkonformität. Hash-verkettete Ereignisprotokolle, signierte Schreibvorgänge und Zeitstempel-Anker machen nachträgliche Änderungen erkennbar.

Souveräne und abgeschottete Umgebungen

Behörden, Gesundheitswesen, Produktion mit getrennten Netzen: Der gesamte Verbund läuft auf einer Maschine, ohne ausgehende Verbindung, mit lokalen Sprachmodellen, eigener Zertifizierungsstelle und eigener Zeitquelle. Fachliches Wissen wird als signiertes Paket eingespielt statt aus dem Netz geladen.